Preisträger:innen 2023

Fotos: STIFT | Sowinski

Am 29. November 2023 wurde der Innovationspreis Thüringen 2023 verliehen. Herzlichen Glückwunsch an alle Preisträger:innen!

Innovative Keramik-Otoplastiken für alle marktüblichen Hörsysteme I migohead Flora Mirzoyan & Roman Golovkov GbR (Erfurt)

Jeder fünfte Deutsche über 14 Jahren ist schwerhörig. Gleichzeitig haben Betroffene Vorbehalte, ein Hörgerät zu tragen. Die Bereitschaft hängt wesentlich davon ab, ob das Ohrpassstück komfortabel, optisch unauffällig und akustisch ausgewogen im Gehörgang sitzt.

Mit der Gründung des innovativen Otoplastiklabors migohead in Erfurt verbinden Flora Mirzoyan und Roman Golovkov nun Erfahrungen aus der Hörgeräteakustik und der Zahntechnik. Ihre zum Patent angemeldete Lösung setzt auf in der Medizintechnik weit verbreitete keramische Werkstoffe, die sehr biokompatibel und hypoallergen sind. migohead fertigt maßgefertigte Otoplastiken, die an die individuelle Ohrform des zukünftigen Trägers angepasst werden. Die exakte Passform wird entweder mit einem Scanner oder mit einer Abformmasse ermittelt. Nach dem Entwurf im 3D-Programm werden die Otoplastiken mittels CNC-Fräsen modelliert. Die winzigen Otoplastiken werden bei 850 Grad im Keramikofen gebrannt und haben eine Wandstärke von nur 0,4 bis 0,5 Millimetern. Sie eignen sich besonders für enge Gehörgänge und können individuell an den Hautton angepasst werden. Im Gegensatz zu Silikon-Otoplastiken, die sich schnell verfärben, bleiben Keramik-Otoplastiken farbecht und lassen sich so mehrere Jahre tragen. Durch die bessere Akustik und den höheren Tragekomfort entsteht kein starkes Fremdkörpergefühl im Ohr.

Das sagt die Jury: "Das Erfurter Unternehmen migohead erschließt mit seinen Otoplastiken ein neues und innovatives Anwendungsfeld für keramische Werkstoffe. Damit schafft migohead eine funktionale und nachhaltige Alternative für traditionelle Materialien und eröffnet Betroffenen völlig neue Wege der sozialen Teilhabe.“

Mehr Informationen: www.migohead.de
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Hocheffiziente Wasserstoff-Verdichtung mit Automatic Seal Exchange (ASX) - MAX Compression 2.0 I Maximator Hydrogen GmbH (Nordhausen)

Autos, Lkw oder Züge mit einem Antrieb über eine Brennstoffzelle gelten als saubere Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, weil sie lokal emissionsfrei unterwegs sind. Als Treibstoff benötigen sie Wasserstoff, der unter hohem Druck in den Tank gefüllt wird. Bislang gibt es erst 100 Tankstellen deutschlandweit.

Die Maximator Hydrogen GmbH aus Nordhausen hat eine Lösung entwickelt, mit der sich der Tank mit Wasserstoff ohne Zwischenspeicherung unter Hochdruck befüllen lässt. Herzstück der Betankungsanlage ist der MAX Compression 2.0, ein zweistufiges, hydraulisch angetriebenes Verdichterkonzept. Das Produkt lässt sich modular an kleine Tankstellen bis hin zu Tankstellen für schwere Nutzfahrzeuge anpassen. Mit der jüngsten Erweiterung kann die hydraulische Antriebsleistung vervierfacht werden. Damit können selbst Schiffs- und Bahntankstellen wirtschaftlich realisiert werden. Durch die höhere Verdichterleistung können an einer Zapfsäule in der gleichen Zeit mehr Fahrzeuge betankt werden. So wird Wasserstoff als Energieträger in der Mobilität kosteneffizienter und damit auch populärer. Die Zielmärkte von Maximator Hydrogen sind weltweit, von Güter- und Personentransport oder Wasserstoffproduktion, bis hin zum Schifffahrtsbetrieb. Aber auch Tankstellenbetreiber:innen eröffnet die Lösung die Möglichkeit, ihr Angebot an Wasserstoffzapfsäulen zu erweitern und somit emissionsfreien Antrieb möglich zu machen.

Das sagt die Jury: "Der Einsatz von Wasserstoff bietet ein großes Potenzial, emissionsfreie Mobilität in großem Rahmen verfügbar zu machen. Die Maximator Hydrogen GmbH hat sich über Jahrzehnte eine herausragende Kompetenz in ihrer Industrie angeeignet und die hohen Umsatzzahlen in allen Märkten sprechen für sich."

Mehr Informationen: www.maximator-hydrogen.de/home
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5G Cab Radio „CRLT.50“ I Funkwerk Systems GmbH (Kölleda)

Schritt für Schritt werden derzeit neue 5G-Mobilfunksender installiert, die durch ein engmaschiges Netz hohe Datenübertragungsraten ermöglichen sollen. Der Bahnfunk in Deutschland nutzt mit GSM-R derzeit noch die deutlich ältere 2G-Technologie.

Die Funkwerk Systems GmbH aus Kölleda ist mit seinem Produkt CRLT.50 ein Vorreiter im Bahnverkehr. Die kompakte Kommunikationseinheit setzt auf 5G-Mobilfunk und ermöglicht so die Vernetzung von Fahrzeugen der Bahn, aber auch des öffentlichen Personennahverkehrs. Dadurch bleiben die Fahrer:innen immer in Kontakt mit der Leitstelle und können über das Gerät beispielsweise ihren Sprechfunkverkehr abwickeln. Doch nicht nur schienengebundene Fahrzeuge stehen im Fokus der Funkwerk-Technologie. Die Technik kann auch in Pkw einer Firmenflotte, in Bussen oder Lkw eingebaut werden. Neben dem Betrieb in öffentlichen Mobilfunknetzen ermöglicht sie auch die Nutzung in einsatzkritischen Anwendungen, wie durch Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Neben dem klassischen Sprachfunk lassen sich in das CRLT.50 auch Videodienste, taktische Einsatzinformationen sowie Navigations- und Ortungsanwendungen integrieren. Funkwerk setzt auf moderne Betriebssysteme auf der Basis von Android und Linux. Funkwerk will sein Gerät Anfang 2024 auf den Markt bringen und damit als Partner für den Betrieb in ersten Testnetzen zur Verfügung stehen. Als Vorreiter will Funkwerk neben den traditionellen Zielgruppen im Schienenpersonennahverkehr auch neue Geschäftsfelder, wie Entsorgungsunternehmen, erschließen.

Das sagt die Jury: „Die Funkwerk Systems GmbH gehört zu den Vorreitern bei der 5G-Kommunikation und hat ein Produkt auf Welthöhe geschaffen. Durch das Produkt wird das traditionelle Medium des Bahnfunks auf den neuesten Stand der Technik gebracht.“

Mehr Informationen: https://funkwerk.com/
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TaskCards I dSign Systems GmbH (Schmalkalden)

Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung in Schulen vorangetrieben. Doch beim Distanzunterricht zeigte sich schnell - vorhandene Lösungen waren entweder sehr kompliziert zu bedienen, oder entsprachen nicht den europäischen Datenschutzbestimmungen.

Mit TaskCards hat die dSign Systems GmbH aus Schmalkalden eine Lösung entwickelt, die einerseits besonders niedrigschwellig einsetzbar ist und andererseits alle Anforderungen des Datenschutzes erfüllt. Das Tool ist auf nahezu allen Geräten nutzbar und benötigt keine zusätzliche App oder Account. Die Nutzer:innen können auf individuell eingerichteten Pinnwänden Lerninhalte oder Aufgaben platzieren und mit Medien oder anderen Dokumenten hinterlegen.  Um die Schulcommunity ins Digitale zu transformieren, können Kommentare und Likes veröffentlicht und Videokonferenzen mit einem Klick erstellt werden. Die Registrierung und Anmeldung der TaskCards-Konten kann über Identitätsmanagementsysteme erfolgen, die beispielsweise in Schulen bereits im Einsatz sind. Die Plattform eignet sich auch für Vereine oder Kommunen, um Aufgaben und Informationen zu teilen. Insgesamt sind bereits fast eine Viertelmillion Nutzer:innen registriert. Aufgrund der großen Nachfrage aus dem europäischen Ausland wurde die Lösung bereits in sieben Sprachen übersetzt. Dänemark hat einen landesweiten Vertrag abgeschlossen.

Das sagt die Jury: „Die dSign Systems GmbH hat mit TaskCards eine zielgruppenorientierte und unternehmerisch erfolgreiche Plattform geschaffen., In der Bedienung zeichnet sich die Lösung durch das besondere Berechtigungskonzept aus. Das Thüringer Unternehmen nutzt digitale Möglichkeiten für soziale und gleichzeitig EU-konforme Innovation.“

Mehr Informationen: www.dsign-systems.net
Zum Film: TaskCards


SWIR 3D-Kamera für Innen- und Außenanwendungen I Jabil Optics Germany GmbH (Jena)

In vielen modernen Fahrzeugen sind Kameras verbaut, deren Aufnahmen in die Berechnungen des Spurhalteassistenten einfließen. Doch sobald die Sonne zu stark blendet, gerät die Kameratechnologie an ihre Grenzen. Vollautonome Fahrzeuge benötigen deshalb Systeme, die auch unter starker Sonneneinstrahlung zuverlässig arbeiten.

Die Jabil Optics Germany GmbH aus Jena hat nun die SWIR 3D-Kamera entwickelt, die selbst bei hellem Sonnenlicht und in Innenräumen störungsfrei arbeitet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Systemen erfasst sie Licht im nahen Infrarotbereich mit einer Wellenlänge von 1.130 Nanometern. Dieses Spektrum eignet sich, weil die Atmosphäre diese Wellenlänge aus dem Sonnenlicht herausfiltert, wodurch die beiden Laser der Jabil-Kamera nicht mit dem Sonnenlicht konkurrieren. Objekte reflektieren das ausgesandte, für das menschliche Auge nicht sichtbare Licht und ein Sensor nimmt die zurückgeworfenen Impulse auf. Aus der Laufzeit der ausgesandten Signale errechnet das System dann die komplette 3D-Ansicht der Umgebung. Im Vergleich zu herkömmlichen Lichtbereichen erlaubt die Kamera höhere Laseremissionen bei gleichzeitiger Augensicherheit der Sensoren. Das verbesserte Signal-Rausch-Verhältnis ermöglicht die Erkennung von Hindernissen auch bei ungünstiger Sonneneinstrahlung in Entfernungen von bis zu 15 Metern. Damit eröffnen sich neue, bisher undenkbare Anwendungsfelder im Außenbereich. Ein weiterer, potenzieller Markt für dieses System ist die Landwirtschaft. Hier können Mähdrescher, die mit dieser Kamera ausgestattet sind, Informationen über ihre unmittelbare Umgebung sammeln und so autonom arbeiten.

Das sagt die Jury: „Jabil Optics Germany in Jena hat eine neue Generation von 3D-Kameras entwickelt. Mit ihr gelingt dank Licht im nahen Infrarotbereich ein entscheidender Technologiesprung, um vollautonome Anwendungen auch bei grellem Sonnenlicht zu ermöglichen. Damit wird das Unternehmen zu einem großartigen Vorbild aus der Licht-Technik, einer der traditionellen Stärken der Thüringer Wirtschaft.“

Mehr Informationen: www.jabil.com/services/optics.html
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Preis-Patin: FUNKE Medien Thüringen GmbH

Xsight Optics GmbH (Jena)

Notaufnahmen in Krankenhäusern stehen oft unter großem Druck, weil zu Spitzenzeiten viele Patient:innen gleichzeitig eingeliefert werden. Das Jenaer Unternehmen Xsight Optics GmbH entwickelt ein Gerät zur schnellen und berührungslosen Erfassung von Vitaldaten. Damit vereinfacht das Unternehmen die Überwachung und Dokumentation für Pflegekräfte.

Die Sportwissenschaftlerin Maria Nisser und der Physiker Jan Sperrhake lernten sich im Graduiertenkolleg kennen. Sie tüftelten an der Frage, wie man Belastung und Stress messen kann. Gemeinsam trieben sie die Idee voran, Vitalparameter rein optisch und ohne physische Elektroden zu ermitteln. Gesicht und Hautpartien sind von feinen Äderchen durchzogen, welche sich durchlaufendleicht ausdehnen und zusammenziehen. Infrarotkameras zeichnen die für das Auge unsichtbaren Farbveränderungen auf. Aus diesen kontinuierlichen Bilddaten berechnet das Jungunternehmen nicht nur die Pulsfrequenz, sondern kann über die Farbe des Blutes beispielsweise auch die Sauerstoffsättigung bestimmen. Maria Nisser und Jan Sperrhake haben Ende 2021 das Unternehmen Xsight Optics gegründet. Ihren ersten Technologiedemonstrator testen sie derzeit in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Jena. Auf der Intensivstation erfasst das Gerät berührungslos die Vitaldaten von Säuglingen. Die Tests verlaufen vielversprechend. Als nächsten Schritt plant das mit mehreren Gründerpreisen ausgezeichnete Team, die patentierte Innovation Xsight Medical zu verkleinern und in einen Handscanner zu integrieren. Damit wird es möglich, bereits am Empfangstresen parallel zur Erfassung der Patient:innendaten in weniger als 30 Sekunden die wichtigsten Werte zu messen und die Behandlungsreihenfolge zu priorisieren.

Das sagt die Preis-Patin: „Die Corona-Pandemie hat den Bedarf an der berührungslosen Messung von Vitalparametern deutlich vor Augen geführt. Das Jenaer Unternehmen Xsight Optical wählt einen innovativen optischen Ansatz, um sehr genau, schnell und für Patient:innen bequem die Werte zu erheben. Damit beweist das Xsight Optical, wie junge Unternehmen durch innovative Technologien einen Beitrag zur Lösung hochdrängender gesellschaftlicher Probleme leisten.“

Michael Tallai, Geschäftsführer FUNKE Medien Thüringen GmbH

Mehr Informationen: https://xsightoptics.com
Zum Film: Xsight Optics GmbH


Mit dem „Ernst-Abbe-Preis für innovatives Unternehmertum 2023“ wird

Sven Kiontke

für seine Verdienste um den Wirtschafts- und Technologiestandort Thüringen ausgezeichnet.

Erfolgreiches Wirtschaften auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen immer unter dem Standpunkt von sozialer Verantwortung – und das auf dem Gebiet der Optik: Ganz in der Tradition von Ernst Abbe steht der Jenaer Unternehmer Sven Kiontke, der das Unternehmen Asphericon gegründet hat. Das Unternehmen nutzt ein Verfahren zur Herstellung von hochgenauen asphärischen, frei formbaren Linsen, die in vielen Produkten vom Schweißroboter bis zum Satelliten Verwendung finden. Weltweit werden über 800 Kund:innen mit den optischen Präzisionsbauteilen beliefert. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile 215 Mitarbeiter:innen in Jena, Tschechien und den USA und plant, aufgrund der hohen Nachfrage seine Kapazitäten weiter auszubauen. Mit seinen Geschäftspartnern, dem Wirtschaftswissenschaftler Alexander W. Zschäbitz und dem Informatiker Thomas Kurschel, investierte er viel Zeit und Energie, um mit modifizierten CNC-Maschinen die Produktion von asphärischen Linsen aufzubauen und den Markt zu erschließen. Ihr Erfolgsrezept: Den Innovationsgeist von Forscher:innen in kund:innenorientierte, wirtschaftliche Ergebnisse mit hohem Nutzwert umzusetzen.

Ganz wie Ernst Abbe lebt Sven Kiontke den Grundsatz des nachhaltigen Unternehmertums vor. Asphericon bezieht ausschließlich Strom aus zertifizierten erneuerbaren Ressourcen, zum Teil aus eigenen Solarzellen, und ist Vorreiter in der Errichtung öffentlicher Tankstellen für die Elektromobilität. Auch die soziale Verpflichtung gegenüber seiner Belegschaft ist ein zentrales Anliegen für Sven Kiontke. Als erster Mittelständler in der Region führte Asphericon 2023 die 36-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ein. Neben Dienstwagen oder -rädern bietet das Unternehmen auch Zuschläge für Kindergarten, Hort oder Weiterbildungen an.

Das sagen die Träger: "Asphericon-Gründer Sven Kiontke ist ein Rollenvorbild für soziales und nachhaltiges Unternehmertum ganz im Sinne Ernst Abbes. Er setzt bereits seit 2002 auf Industrie 4.0, trägt die Verantwortung für milliardenschwere Industrien, wirtschaftet nachhaltig und stellt seine Mitarbeiter:innen in das Zentrum seines Handelns. Sein Lebenswerk Asphericon ist geprägt von seinen Idealen und Zielen und hat eine Strahlkraft für Thüringer Unternehmertum und darüber hinaus.“

Mehr Informationen: www.asphericon.de
Zum Film: Sven Kiontke

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Neben den Preisträgerinnen und Preisträgern waren die folgenden Unternehmen nominiert: >> Nominierte 2023

Dokumentation

Ausführliche Porträts der Nominierten und Preisträger:innen finden Sie in der Dokumentation zum Innovationspreis Thüringen 2023. >>Download

Gemeinschaftliche Träger des Innovationspreises Thüringen sind:

Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft
Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT
TÜV Thüringen e.V.
Ernst-Abbe-Stiftung