News-Artikel lesen

Innovationspreis Thüringen 2018 verliehen

Fünf Spitzenentwicklungen und zwei Unternehmer wurden am 14. November 2018 mit dem wichtigsten Thüringer Wirtschaftspreis ausgezeichnet.

Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee hat heute in Weimar gemeinsam mit der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT), dem TÜV Thüringen und der Ernst-Abbe-Stiftung den „XXI. Innovationspreis Thüringen“ verliehen. Fünf Spitzenentwicklungen und zwei Unternehmer wurden ausgezeichnet. Das Thüringer Wirtschaftsministerium stellt das Preisgeld in Höhe von insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung.

„Die Preisträger in diesem Jahr zeigen wieder einmal eindrucksvoll, dass Thüringen ein vitaler Innovationsstandort ist und zudem eine Spitzenstellung bei zukunftsweisenden Technologien einnimmt“, betont Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee anlässlich der Verleihung. Das hohe Innovationspotenzial des Thüringer Mittelstandes spiegele sich auch in der hohen Dichte an Patentanmeldungen und dem großen Anteil an Technologieunternehmen bei Neugründungen. Dieser Erfolg basiere aber auch auf den guten politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Freistaat. Thüringen beteiligt sich mit 52 Prozent an den im Land getätigten Ausgaben. Der Innovationsatlas 2017 des Instituts der deutschen Wirtschaft bescheinigt, dass die Innovationsförderung in Thüringen gut greift und es besser als in anderen Ländern gelingt, durch Neugründungen Forschungsergebnisse für die Wirtschaft zu nutzen. „Die Innovationsstrategie des Landes unterstützt Unternehmen und Forschung gezielt bei ihren innovativen Projekten“, so Tiefensee weiter. Bis 2020 stelle das Land dafür mehr als 200 Millionen Euro aus Landesmitteln sowie dem EFREStrukturfonds zur Verfügung.

Als eine der bundesweit höchstdotierten Auszeichnungen in diesem Bereich wird der Innovationspreis Thüringen bereits zum 21. Mal vergeben. Der Preis würdigt die Innovationskraft von Unternehmen und soll zur Entwicklung neuer Produkte ermutigen. Er wird in den Kategorien „Tradition & Zukunft“, „Industrie & Material“, „Digitales & Medien“ sowie „Licht & Leben“ vergeben.

Mit dem „Sonderpreis für junge Unternehmen
“ werden Start-up-Unternehmen unterstützt. Bei der Preisvergabe entscheidet die Jury nach Kriterien wie Innovationsgrad, unternehmerischer Leistung, Funktionalität, Gebrauchswert und wirtschaftlichem Erfolg. Außerdem müssen die Wettbewerbsbeiträge bereits auf dem Markt eingeführt sein oder in Kürze auf den Markt kommen und Aussicht auf eine erfolgreiche Etablierung haben. Weitere Voraussetzung ist, dass die vorgestellte Innovation überwiegend in Thüringen entwickelt und gefertigt wurde.

Die Preisträger des Thüringer Innovationspreises 2018 sind:


Kategorie „TRADITION & ZUKUNFT“ (dotiert mit 20.000,00 €):

Dätwyler Sealing Technologies Deutschland GmbH (Waltershausen) | „Fahrradsicheres Gleis“

Wo Bahn und Rad aufeinandertreffen, kommt es immer wieder zu Unfällen, wenn Fahrradfahrer oder Fußgänger in die Spurrillen von Schienen geraten. Um die Gefahren zu verringern gibt es weltweit zahlreiche Lösungsansätze, die bislang jedoch zu schnell verschleißen oder technisch und finanziell zu aufwändig sind. Das fahrradsichere „Velo-Gleis“ der Dätwyler Sealing Technologies Deutschland GmbH hat ein spezielles Gummiprofil, das die Spurrille einer Schiene ausfüllt und so das gefahrlose Überqueren ermöglicht. Eine überfahrende Bahn hingegen drückt aufgrund ihres Gewichts das Profil ein. Durch seine elastischen Eigenschaften kehrt das Gummi anschließend wieder in seine Ausgangsform zurück und füllt die Spurrille erneut aus. Das System kann bei vorhandenen Schienen nachgerüstet sowie leicht gereinigt oder ausgetauscht werden. Auf einer Teststrecke wurde es bereits über 200.000 Mal auf Herz und Nieren geprüft. Mit dem Velo-Gleis setzt die Dätwyler Sealing Technologies Deutschland GmbH eine alte Industrietradition der Gummiverarbeitung am Standort Waltershausen fort.

Zur Webseite des Unternehmens: www.datwyler.com


Kategorie „INDUSTRIE & MATERIAL“ (dotiert mit 20.000,00 €):

Schubert & Salzer Feinguss Lobenstein GmbH (Bad Lobenstein) | „Neuartiges Präzisionsgussverfahren mittels additiv gefertigter keramischer Gussform“

Komplexe und filigrane Stahlgussteile werden seit Jahrzehnten im sogenannten Wachsausschmelzverfahren hergestellt. Allerdings ist Fertigungsprozess extrem personalintensiv und langwierig. Einen völlig neuen, disruptiven Ansatz für diese Anwendung hat die Schubert & Salzer Feinguss Lobenstein GmbH entwickelt. Dabei wird die keramische Gießform additiv mittels 3D-Drucker gedruckt. Voraussetzung für das neue Gießverfahren ist eine zum Patent angemeldete, gedruckte Stu?tzstruktur, welche die dünne Gießform wie eine Wabe umhüllt. So ist es möglich, den hohen Drücken und Temperaturen Stand zu halten und erstmals größere Teile in gedruckten Formen zu gießen.

Das innovative Präzisionsgussverfahren ersetzt die Hälfte der bis-her benötigten Fertigungsschritte. Durch die frei gestaltbare Hu?llenstruktur der Gießform kann die Temperatur des Metalls während der Erstarrung gezielt beeinflusst werden. Dadurch ver-ringert sich die Ausschussquote der Gussteile. Im Gegensatz zu alternativen Laser-Sinter-Metalldruck-Verfahren kann mit dem Ver-fahren die gesamte Bandbreite der rund 300 gießbaren Stahlwerk-stoffe verarbeitet werden.

Zur Webseite des Unternehmens: www.feinguss-lobenstein.de 


Kategorie „DIGITALES & Medien“ (dotiert mit 20.000,00 €):

ADVA Optical Networking SE (Meiningen-Dreißigacker) | „Neuartiger Poly-Transceiver als Basis für rasante 5G Datenübertragung mittels kleinster Polymeroptik“


Weltweit arbeiten Netzbetreiber und Technologiefirmen am Mobil-funk-Standard „5G“, der bis 2020 flächendeckend Wirklichkeit werden soll. Dieser wird Datenübertragungsraten bis zu 10 Gi-gabit/s ermöglichen und gleichzeitig den Stromverbrauch senken. Die Daten-Anbindung der Mobilfunkmasten an das Glasfasernetz wird über sogenannte Passive Optische Netze (PON) realisiert. Doch die bisherige Datenübertragung war ineffizient, nicht für höhere Übertragungsraten geeignet und energieintensiv.

Um diese Probleme zu lösen, hat die ADVA Optical Networking SE aus Meiningen gemeinsam mit dem Heinrich Hertz Institut Berlin einen neuartigen optischen Transceiver auf der Basis von polymeroptischen Mikro-Bausteinen entwickelt. Ein neuartiger Laser kann durch die Modulation verschiedener Wellenlänge Daten gleichzeitig über 96 Kanäle senden und empfangen sowie Ge-schwindigkeiten bis 10 Gigabit pro Sekunde realisieren. Die Rege-lung des Lasers erfolgt über einen speziellen Kommunikationskanal, dessen Wirkprinzip in Meiningen entwickelt und im Frühjahr 2018 in den internationalen Standard für Telekommunikation aufgenommen wurde. Die Innovation schafft so eine wichtige Voraussetzung für das neue Mobilfunknetz „5G“.

Zur Webseite des Unternehmens: www.advaoptical.com 


Kategorie „LICHT & LEBEN“ (dotiert mit 20.000,00 €):

Heyfair GmbH (Jena) | „Kurzzeitig sichtbares Händedesinfektionsmittel“


Jedes Jahr kommt es in Deutschland laut des Nationalen Refe-renzzentrums (NRZ) für Surveillance zu etwa 400.000 bis 600.000 Krankenhausinfektionen. Etwa 90 Prozent aller Erreger werden dabei per Handkontakt übertragen. Entsprechend wichtig ist deren richtige Desinfektion. Doch in 9 von 10 Fällen werden entweder nicht alle Hautpartien vollständig benetzt, es wird zu wenig Desinfektionsmittel verwendet oder der Vorgang wird schlicht vergessen. Die Heyfair GmbH aus Jena löst das Problem durch das weltweit erste kurzzeitig sichtbare Händedesinfektionsmittel. Dieses färbt die Haut, wodurch nicht desinfizierte Bereiche sichtbar werden. Anhand der Farbintensität lässt sich erkennen, ob die notwendige Mindestmenge Desinfektionsmittel verwendet wurde. Dank der einfachen Anwendung, der Kompatibilität zu marktüblichen Desinfektionslösungen und des geplanten Lizenzmodells hat die zum Patent angemeldete Innovation das Potenzial, sich als weltweite Standard-Desinfektionslösung zu etablieren. Zu den Einsatzbereichen gehören neben Krankenhäusern auch Labore, die Nahrungsmittelindustrie, der Einzelhandel und die Gastronomie. Aktuell läuft die Skalierung der Technologie vom Labor in den industriellen Maßstab.

Zur Webseite des Unternehmens: www.heyfair.de 


SONDERPREIS FÜR JUNGE UNTERNEHMEN (dotiert mit 20.000,00 €):

Pflegeplatzmanager GmbH (Greiz)

Braucht ein Patient nach der Entlassung aus dem Krankenhaus Hilfe, ist die behandelnde Klinik gesetzlich verpflichtet, rechtzeitig für eine lückenlose Anschlussversorgung zu sorgen. Doch die Suche nach einem geeigneten Dauer- oder Kurzzeitpflegeplatz ist aufwändig und stellt damit nicht nur einen Kostentreiber, sondern auch eine hohe emotionale Belastung für Patienten und deren Angehörigen dar. Die Gründer der Pflegeplatzmanager GmbH entwickelten eine webbasierte Informations- und Kommunikationsplattform, die erstmals den kompletten Entlassungs- und Aufnahme-Prozess abbildet und alle beteiligten Akteure miteinander vernetzt. 2017 startete der Pilotbetrieb in ausgewählten Modellregionen in West-sachsen und Ostthüringen. Der Markteintritt in weiteren Regionen im gesamten Bundesgebiet ist bereits in Vorbereitung.

Zur Webseite des Unternehmens: www.pflegeplatzmanager.de 


Mit dem „Ernst-Abbe-Preis für innovatives Unternehmertum 2018“ wurden Dr. Andreas Karguth und Olaf Mollenhauer für ihre Verdienste um den Wissenschafts- und Technologiestandort Thüringen ausgezeichnet. 1991 wagten die damaligen Mitarbeiter der Technischen Universität Ilmenau den Schritt in die wirtschaftliche Selbstständigkeit wagten und die TETRA Gesellschaft für Sensorik, Robotik und Automation mbH. Unter ihrer Führung wuchs das Unternehmen in 25 Jahren zu einem international renommierten Lösungsanbieter im Bereich der Präzisions-Mechatronik und der bionischen Leichtbaurobotik für Industrie, Forschung und Medizin- und Labortechnik. Über 40 Patentanmeldungen und zahlreiche Veröffentlichungen in nationalen und internationalen Fachmedien zeugen von der wissenschaftlichen Neugier und vom Unternehmergeist beider Preisträger. Seit der Übertragung der TETRA-Gesellschafteranteile an die Jenaer avateramedical GmbH im Jahr 2016 fördern Dr. Andreas Karguth und Olaf Mollenhauer junge Wachstumsunternehmen und innovative Technologien in der Region in zahlreichen neuen Projekten.


Weitere Informationen zu den Preisträgern und Nominierten finden Sie in der Preistägerdokumentation.





Kontakt

Sie haben Fragen zum Wettbewerb?
Bitte wenden Sie sich an

 


Kerstin Heimann

Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT)
Peterstraße 3, 99084 Erfurt

Tel: +49 (0)361 78923-10
Mail: kerstin.heimann(at)stift-thueringen.de

Gemeinschaftliche Träger des Innovationspreises Thüringen sind:

Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft
Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT)
TÜV Thüringen
Ernst-Abbe-Stiftung
Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT)