Nominierungen 2023

Am 29. November 2023 wurde der Innovationspreis Thüringen 2023 vergeben.
Neben den Preisträger:innen waren die folgenden Unternehmen nominiert:


Kategorie "Tradition & Zukunft"

CUPITO I KHW Kunststoff- und Holzverarbeitungswerk GmbH (Geratal)

Zu Konzerten und anderen Großveranstaltungen gehören auch die für das Event individuell designten Plastikbecher. Als Souvenir begehrt, werden sie meist aus Erdöl hergestellt und landen am Ende ihres Lebenszyklus oft in der Müllverbrennung. Mit dem Cupito hat die KHW Kunststoff- und Holzverarbeitungswerk GmbH aus Geschwenda jetzt eine nachhaltige Alternative auf den Markt gebracht. Die Mehrwegbecher werden aus Polymilchsäure hergestellt und bestehen zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, darunter Abfallprodukte aus der Maisverarbeitung. Die Becher haben die gleichen Eigenschaften wie herkömmliche Kunststoffbecher und können per Laser individuell gestaltet werden. Nach mehrjährigem Einsatz bei Veranstaltungen ist der Cupito außerdem industriell kompostierbar. Das KHW-interne Pfandsystem schafft Anreize für die Rückgabe. Nach dem sortenreinen Recycling produziert die Anlage daraus neue Becher, die ebenfalls zu 100 Prozent aus pflanzlichem Material bestehen. Nach dem Mehrweggesetz werden seit 2023 Anbieter:innen verpflichtet, Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegbehältern für Essen und Getränke anzubieten.

Das sagt die Jury: „Die KHW Kunststoff- und Holzverarbeitungswerk GmbH liefert ein eindrucksvolles Beispiel, wie ein Traditionsunternehmen neue und innovative Wege geht. So hält das Thema Nachhaltigkeit auch in Massenprodukten Einzug und ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz wird geleistet.“

zur Unternehmens-Webseite: www.khw-geschwenda.de
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: CUPITO

RENNSTEIG MultiStrip® 10 plus I Rennsteig Werkzeuge GmbH (Steinbach-Hallenberg)

Eine digitalisierte Welt setzt passende elektrische Verbindungen voraus. Für die Vorbereitung von Kabeln sind normalerweise drei Werkzeuge erforderlich: Eine Kabelschere zum Schneiden, ein Abisolierwerkzeug und eine Crimpzange zum Befestigen des Verbinders.

Die Rennsteig Werkzeuge GmbH aus Steinbach-Hallenberg vereint alle drei Schritte in einem Werkzeug. Während Anwender:innen bei anderen Zangen vor dem Abisolieren den Kabelquerschnitt einstellen müssen, erledigt der Rennsteig MultiStrip 10 dies im Querschnittsbereich von 0,08 bis 10 Quadratmillimeter selbst. Aderendhülsen werden mit einer Vierkantpressung bis zu 10 Mal genauer befestigt als bei anderen Hersteller:innen. Die Rennsteig Werkzeuge legen großen Wert auf Ergonomie. Die Griffweite und das geringe Gewicht ermöglichen ein komfortables und ermüdungsfreies Arbeiten.

Das sagt die Jury: „Gerade in Zeiten der Transformation müssen Thüringer Unternehmen ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln. Die Rennsteig Werkzeuge GmbH zeigt sich als Vorreiter und entwickelt ein Multifunktionswerkzeug, dessen hoher Innovationsgrad im Hausbau und in der Industrie benötigt wird.“

zur Unternehmens-Webseite: www.rennsteig.com
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Kategorie "Industrie & Material"

Ilmsens Ultra-Breitband-Schichtdickenradar für Asphaltschichtdicken-Messungen I Ilmsens GmbH (Ilmenau)

Beim Einbau von Asphalt kommt es darauf an, die vorgegebene Schichtdicke exakt zu erreichen. Die Kontrolle erfolgt bislang über die Entnahme von Bohrkernen oder über ein induktives Messverfahren mit Hilfe verbauter Metallblättchen. Die Messungen können weder kontinuierlich noch direkt beim Einbau erfolgen. Aus diesem Grund verbrauchen Bauunternehmen oft mehr Material als nötig.

Die Ilmsens GmbH aus Ilmenau hat ein fortschrittliches Ultrabreitband-Schichtdickenradar entwickelt, das die Dicke des Asphaltbelags in Echtzeit während des Einbaus mit einer Genauigkeit von einem Millimeter misst. Das System kann sowohl nachträglich in Baumaschinen integriert als auch direkt vom Hersteller in Fahrzeuge eingebaut werden. Alle Komponenten sind robust und für raue Umgebungsbedingungen geeignet.

Das sagt die Jury: „Mit ihrer Innovation gibt die Ilmsens GmbH Baufirmen die Sicherheit, kein Material zu verschwenden und Auftraggeber:innen die Gewissheit, die bestellte Leistung zu erhalten.  Damit bietet das Unternehmen einen echten Gewinn für die Industrie.“

zur Unternehmens-Webseite: www.ilmsens.com
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Weltweit erster vollelektrisch angetriebener Saugbagger I RSP GmbH (Saalfeld)

Bei einem Wasserrohrbruch ist Schnelligkeit und Umsicht gefragt. Saugbagger minimieren dabei die Gefahr von Leitungsschäden, da sie das Erdreich absaugen, statt es auszugraben. Bisher wurden diese Spezialfahrzeuge mit Diesel betrieben.

Die RSP GmbH hat gemeinsam mit Partnern einen innovativen, vollelektrischen Saugbagger entwickelt. Die Baumaschine ermöglicht nicht nur einen schnelleren und schonenderen Erdaushub, sondern schützt auch die Anwohner:innen von Baustellen vor Abgasen. Herzstück der Technologie ist ein mehrstufiges Hochleistungsgebläse. Gemeinsam mit der Technischen Universität Ilmenau entwickelte das Unternehmen einen elektrischen Antriebsstrang inklusive Elektromotor für die Laufräder dieser Ventilatoren. Die Framo GmbH aus Löbichau im Altenburger Land fertigte eine LKW-Basis mit doppelter Batteriekapazität im Vergleich zu bisher vertriebenen Elektrofahrzeugen und realisierte die elektrische Versorgung des Saugaufbaus.

Das sagt die Jury: „Das Produkt ist eine clevere Kombination von den neuesten technologischen Entwicklungen aus Industrie und Material. Die Zusammenarbeit mehrerer Thüringer Institutionen zeigt eindrucksvoll, wie durch Kollaboration Innovation entstehen kann.“

zur Unternehmens-Webseite: www.rsp-germany.com
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Kategorie "Digitales & Medien"

FreeMOM als digitale Lösung im Fachkräftemangel I Anika Schmidt und Lena Pieper (Gerstungen)

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist besonders für Mütter eine Herausforderung. Flexibilität für Kinder und Karriere stehen sich oft unvereinbar gegenüber. Hier setzt die familienfreundliche Freelancing-Plattform „FreeMom" der Gründerinnen Anika Schmidt und Lena Pieper aus Gerstungen an.

Ein Algorithmus bringt freiberufliche Frauen und Unternehmen zusammen und berücksichtigt dabei fachliche Schwerpunkte und Projektpräferenzen. Gleichzeitig stellt die Plattform sicher, dass keine Scheinselbstständigkeit vorliegt und begleitet den gesamten Projektablauf bis zur Bezahlung. Für Mütter ist der Service kostenlos, die Unternehmen zahlen bei erfolgreicher Vermittlung eine Provision. Zusätzlich bietet die Website Online-Trainings an, um Mütter auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit voranzubringen und Unternehmen auf das Freelancing-Modell vorzubereiten.


Das sagt die Jury: „Mit der digitalen Plattform FreeMOM ermöglichen Anika Schmidt und Lena Pieper Müttern die Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels gelingt es ihnen, eine bisher oft ignorierte Arbeitskräfteressource zu erschließen.“

zur Unternehmens-Webseite: www.freemom.de
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Kategorie "Licht & Leben"

Solardetox I Fachhochschule Erfurt (Erfurt)

Wenn Öl oder Kraftstoffe in Gewässer gelangen, führt dies zu einer erheblichen Belastung der Natur. Bisher kommen vor allem Ölsperren zum Einsatz, um die Ausbreitung der Schadstoffe zu verhindern.

Im Projekt Solardetox hat die Fachhochschule Erfurt gemeinsam mit der Materialforschungs- und -prüfanstalt der Bauhaus-Universität Weimar, Ibu-tec Weimar, Lynatox aus Luisenthal und Hydrotechnik Lübeck ein neuartiges Reinigungsverfahren entwickelt. Das Verfahren basiert auf der Photokatalyse durch UV-Strahlung und nutzt kleine Kugeln aus natürlichen Mineralien: Blähglaskugeln, die mit einer mikronanostrukturierten Schicht aus Titanoxid überzogen sind, binden mit Hilfe von Sonnenlicht mineralölbasierte Kohlenstoffe direkt im Wasser und bauen sie zu Wasserdampf, Kohlendioxid, Stickstoff und Mineralsalzen ab. Ziel ist es, in einem ersten Schritt leicht bis mittel verschmutzte Wasseroberflächen in Hafenbecken, Regenrückhaltebecken oder Wasserstraßen zu reinigen. Dazu sollen herkömmliche Ölsperren zu einer kombinierten Ölsperre weiterentwickelt werden.

Das sagt die Jury: „Das Projekt Solardetox leistet einen innovativen Beitrag zum energieeffizienten Abbau von organischen Verschmutzungen. Der universelle Ansatz überzeugt und trägt zum Schutz von Mensch und Umwelt bei und sichert den Zugang zu sauberem Wasser.“

zur Webseite: www.fh-erfurt.de
zum Filmbeitrag: Solardetox

Entwicklung von Verfahren und Technologie zur Rückgewinnung von Abwasserwärme in Wohngebäuden im Bestand und Neubau I Revincus GmbH (Jena)

Beim Duschen fließt jede Menge warmes Wasser durch den Abfluss und landet in der Kanalisation. Dabei steckt im warmen Abwasser viel Energie. Einige Anbieter:innen fokussieren sich deshalb bereits auf die Wärmerückgewinnung im Abwasserkanal.

Die Firma Revincus GmbH aus Jena setzt schon einen Schritt früher an. Die in Jena gegründete Firma entzieht dem Nutzwasser direkt im Keller des Wohnhauses die Wärmeenergie und führt sie über eine Wärmepumpe der Heizungsanlage wieder zu. Das System besteht aus zwei Komponenten. Eine patentierte Weiche trennt das stark verschmutzte Abwasser, das bei der Toilettenspülung in die Mischkanalisation gelangt, vom gering verschmutzten Abwasser aus Dusche oder Waschmaschine. Letzterem wird im Wärmetauscher die Energie entzogen. Da das Abwasser kühler abgegeben wird, als das kalte Wasser aus der Leitung kommt, nutzt das System selbst die Energie, die im Trinkwassernetz steckt. Die entwickelten Anlagen testet das Unternehmen in einem Pilotprojekt in Stadtroda in einem Wohnblock mit 144 Wohneinheiten.

Das sagt die Jury: „Die Revincus GmbH setzt in überzeugender Weise auf ein zukunftsweisendes Technologiefeld. Dabei erschließt das Unternehmen innovative Einsatzmöglichkeiten, auch für das Leben in Bestandsgebäuden. Die Innovation trägt dazu bei, den Energieverbrauch in Wohngebäuden zu senken. Der Vorteil: Unabhängig von Jahreszeit und Witterung kann die Wärmeenergie aus dem Abwasser stabil zurückgewonnen werden.“

Zur Unternehmens-Webseite: www.revincus.com
zum Filmbeitrag: Entwicklung von Verfahren und Technologie zur Rückgewinnung von Abwasserwärme in Wohngebäuden im Bestand und Neubau


Ausführliche Porträts der Nominierten und Preisträger:innen finden Sie in unserer Dokumentation zum Innovationspreis Thüringen 2023. >>Download

Gemeinschaftliche Träger des Innovationspreises Thüringen sind:

Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft
Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT
TÜV Thüringen e.V.
Ernst-Abbe-Stiftung